Mein redaktioneller Workflow mit MacBook, iPhone und iPad

von Sascha Tegtmeyer | Aug. 13, 2025

Manche Beiträge beginnen an einem Schreibtisch. Viele meiner Texte beginnen beim Spazierengehen mit dem Hund, auf dem Fahrrad, auf einer Baustelle oder irgendwo unterwegs, wo ich gerade kein Dokument geöffnet habe.

Früher war das ein Problem. Eine gute Formulierung kam, ich konnte sie nicht sauber festhalten, und später blieb nur die Erinnerung, dass da einmal ein guter Gedanke gewesen war.

Heute ist genau dieser Moment der Start meines redaktionellen Workflows.

Ich spreche die Idee ein. Das Audio oder Transkript landet im System. Später wird daraus Material, Recherche, Entwurf und schließlich ein veröffentlichter Beitrag.

Mein Apple-Workflow ist kein Gerätealtar. Er ist eine Kette mit möglichst wenig Reibung: erfassen, übertragen, bearbeiten, prüfen, veröffentlichen und archivieren.

Unbezahlte Nennung von Apple-Produkten und -Funktionen. Der Beitrag enthält keine Affiliate-Links.

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Das System ist wichtiger als die Geräte

MacBook, iPhone und iPad sind für mich keine drei getrennten Arbeitsplätze. Sie übernehmen unterschiedliche Rollen in einem gemeinsamen Prozess.

  • Das iPhone ist Kamera, Recorder, Scanner und jederzeit erreichbarer Eingang.
  • Das iPad ist ein leichter Denk-, Lese- und Diktierraum.
  • Das MacBook ist die Werkstatt für Recherche, Langtext, Dateiarbeit, Qualitätsprüfung und WordPress.

Die genaue Hardware verändert sich. Der Ablauf sollte nicht mit jedem Neukauf neu erfunden werden.

Das ist der entscheidende Punkt: Ein gutes System ist gerätefähig, aber nicht geräteabhängig. Wer dieselbe Logik mit Windows, Android oder Linux besser abbildet, sollte genau das tun.

Für mich funktioniert Apple, weil Übergaben zwischen den Geräten im Alltag oft unsichtbar werden. Universal Clipboard, Handoff, AirDrop und iCloud sind keine spektakulären Einzelideen. Zusammen sparen sie die kleinen Reibungen, an denen kreative Arbeit erstaunlich gern stirbt.

Externe Quelle: Apple: Use Continuity to work across Apple devices.

Phase 1: Eine Idee sofort erfassen

Der erste Schritt braucht möglichst wenig Widerstand.

Wenn mir unterwegs ein Gedanke kommt, öffne ich je nach Situation:

Sascha Tegtmeyer mit seinen beiden Hunden im Park
Viele Ideen für neue Texte entstehen beim Spaziergang mit den Hunden. Das Smartphone wird dann zum schnellen Eingang in meinen redaktionellen Workflow. Foto: privat
  • Sprachmemos;
  • Notizen;
  • eine Diktier-App;
  • die Kamera;
  • oder eine kurze Textnotiz.

Ich versuche nicht, die Idee bereits perfekt zu formulieren. Ich sichere:

  1. den Gedanken;
  2. den Auslöser;
  3. ein mögliches Beispiel;
  4. die Frage, die daraus entsteht.

Eine brauchbare Rohnotiz kann so aussehen:

Beobachtung: Teams reden über KI-Tools, aber ihre Freigaben bleiben unklar.
These: Nicht das Modell, sondern der Prozess ist der Engpass.
Beispiel: derselbe Text geht dreimal durch unterschiedliche Chats.
Offene Frage: Welche menschlichen Gates braucht ein Redaktionsworkflow?

Das reicht. Alles Weitere kommt später.

Phase 2: Diktieren, bevor der innere Redakteur übernimmt

Tippen zwingt mich früh in Formulierungsentscheidungen. Diktieren lässt mich zunächst denken.

Deshalb spreche ich für größere Beiträge häufig zehn, zwanzig oder auch deutlich mehr Minuten frei. Ich erzähle den Gedanken, als würde ich ihn einem klugen Kollegen erklären, der nachhaken darf.

Dabei entstehen:

  • persönliche Szenen;
  • Beispiele;
  • Einwände;
  • Wiederholungen;
  • Umwege;
  • manchmal die eigentliche These erst nach zehn Minuten.

Das Rohmaterial ist nicht veröffentlichungsfähig. Das soll es auch nicht sein.

Es besitzt eine andere Aufgabe: Es hält die Energie und die Herkunft des Gedankens fest.

Für gute Aufnahmen nutze ich je nach Umgebung das eingebaute Mikrofon oder ein kleines externes Mikrofon. Entscheidend ist weniger die Influencer-Optik als verständliches Audio. Schlechte Tonqualität produziert schlechte Transkripte und danach unnötige Korrekturarbeit.

Apple kann Sprachmemos inzwischen auf unterstützten Geräten transkribieren; Aufnahmen lassen sich über iCloud zwischen iPhone, iPad und Mac synchron halten. Ich nutze daneben auch spezialisierte Transkriptionswerkzeuge, wenn längere Diktate oder andere Arbeitsmodi besser abgebildet werden sollen.

Der Grundsatz bleibt gleich: Audio und Text müssen anschließend auffindbar im Projekt landen.

iPad mit geöffnetem ChatGPT-Chat für Ideen, Diktate und Content-Rohfassungen
Das iPad Air ist mein Gerät zum Ideen sammeln, Diktieren und für die Rohfassungen meines Contents. Die Kombination aus Apple Intelligence, ChatGPT und der von mir entwickelten Journalisten-Methode hilft mir massiv bei der Arbeit. Foto: Sascha Tegtmeyer

Phase 3: Rohmaterial sauber ablegen

Ein Transkript ohne Namen, Datum und Projektbezug ist eine spätere Suchaufgabe.

Ich sichere deshalb mindestens:

  • Datum;
  • Projekt;
  • Thema;
  • Materialtyp;
  • Bearbeitungsstatus.

Beispiel:

2026-07-31_SaschaTegtmeyer_Kontext-Engineering_Rohdiktat.md

Für laufende Projekte arbeite ich mit einfachen Text- oder Markdown-Dateien, weil sie leicht zu durchsuchen, zu versionieren und von unterschiedlichen Systemen auszulesen sind.

PDFs haben ihren Platz. Für lebenden Arbeitskontext sind schlichte Textformate häufig praktischer.

Phase 4: Vom Diktat zum redaktionellen Briefing

Jetzt kommt die KI ins Spiel. Nicht als Autor aus dem Nichts, sondern als Auswerter meines Materials.

Ich lasse das Transkript zunächst analysieren:

  • Welche Kernthese steckt darin?
  • Welche persönlichen Beispiele tragen?
  • Wo wiederhole ich mich?
  • Welche Behauptung muss recherchiert werden?
  • Wo widerspreche ich mir?
  • Welche Leserfrage ist tatsächlich relevant?
  • Was gehört nicht in diesen Beitrag?

Aus dieser Analyse entsteht ein Briefing. Es enthält:

  • Seitenjob;
  • Zielgruppe;
  • direkte Antwort;
  • Materialquellen;
  • Recherchebedarf;
  • Struktur;
  • Qualitätskriterien;
  • Abgrenzung zu anderen Beiträgen.

Das ist für mich ein zentraler Qualitätssprung. Früher begann ich nach dem Diktat direkt mit dem Schreiben. Heute kläre ich zuerst, was der Text überhaupt leisten soll.

MacBook-Arbeitsplatz am Flughafen mit einem Flugzeug im Hintergrund
Auf Flughäfen und in Flugzeugen bin ich super-produktiv mit meinem Apple-Workflow.

Phase 5: Recherche und Quellenarchitektur am MacBook

Für umfangreiche Recherche, viele Dokumente und parallele Prüfungen ist das MacBook meine Schaltzentrale.

Hier öffne ich:

  • Primärquellen;
  • wissenschaftliche Arbeiten;
  • offizielle Dokumentationen;
  • bestehende Website-Inhalte;
  • Search-Console- oder Analytics-Daten;
  • Interviewmaterial;
  • das Claim-Inventar des Beitrags.

Ich trenne möglichst sauber:

  • persönliche Erfahrung;
  • überprüfbare Tatsache;
  • Schlussfolgerung;
  • Hypothese;
  • Prognose;
  • offene Datenlücke.

Die KI kann Quellen finden, Dokumente vergleichen und mögliche Widersprüche markieren. Sie darf keine fehlende Quelle durch einen überzeugenden Satz ersetzen.

Das MacBook ist hier nicht mein „zweites Gehirn“. Diese Metapher klingt gut, macht aber die eigentliche Leistung unsichtbar. Es ist meine Werkstatt. Denken muss ich immer noch selbst.

Phase 6: Den ersten vollständigen Entwurf bauen

Aus Briefing, Diktat und Recherche entsteht eine erste Fassung.

Je nach Text arbeite ich unterschiedlich:

  • Ich schreibe zentrale Passagen selbst.
  • Ich diktiere neue Übergänge.
  • Die KI entwickelt eine vollständige Rohfassung aus meinem Material.
  • Ich lasse mehrere Strukturen gegeneinander prüfen.

Wichtig ist die Herkunft. Ein Entwurf darf nicht so tun, als hätte ich Erfahrungen gemacht, die nur in einer Recherchequelle vorkommen. Er darf keine Kundenergebnisse erfinden und kein Zitat glätten, bis es besser klingt als das Original.

Meine Voice-DNA hilft, den Text näher an meine gesprochene Denkweise zu bringen: konkrete Beobachtung, klares Urteil, Prinzip, Systemblick, Konsequenz. Sie ist kein Kostüm. Das Transkript bleibt die stärkere Quelle.

Sascha Tegtmeyer sitzt in einem schwarzen Cabriolet
Ein ruhiger Ort kann auch unterwegs entstehen. Entscheidend ist, dass die Umgebung zur Aufgabe passt. Foto: privat

Phase 7: Drei getrennte Prüfungen

Ich versuche, nicht gleichzeitig Faktenchecker, Stilredakteur und WordPress-Techniker zu sein. In einem gemischten Durchlauf übersieht man genau das, was man gerade nicht sucht.

Prüfung 1: Inhalt und Belege

  • Trägt jede Quelle die Aussage?
  • Sind Zahlen, Namen und Daten korrekt?
  • Ist Erfahrung als Erfahrung erkennbar?
  • Gibt es eine wichtige Gegenposition?
  • Ist eine Kausalbehauptung wirklich belegt?

Prüfung 2: Struktur und Stimme

  • Liefert der Einstieg die eigentliche Frage?
  • Hat jeder Abschnitt eine Funktion?
  • Wiederholt der Text nur mit anderen Worten?
  • Klingt er nach mir oder nach einer gut erzogenen Content-Maschine?
  • Ist die Schärfe begründet?

Prüfung 3: Nutzung und Technik

  • Sind Title und Description individuell?
  • Gibt es genau eine H1?
  • Funktionieren interne Links?
  • Bleiben Bilder, Quellen und Hinweise erhalten?
  • Ist der Kontaktweg sinnvoll?
  • Sieht die Seite mobil sauber aus?

Kein Text wird veröffentlicht, nur weil eine KI ihn für ausgezeichnet hält. Die Endabnahme bleibt menschlich.

Content · Redaktion · KI-Workflows

Wenn aus einer guten Idee ein verlässlicher Prozess werden soll.

Ich unterstütze stille Experten und kleine Teams dabei, Fachwissen in klare Inhalte, belastbare Redaktionsabläufe und sinnvolle KI-Workflows zu übersetzen.

Ein paar klare Sätze reichen. Keine automatisierte Verkaufsschleife.

Phase 8: Bilder mit dem iPhone produzieren und übertragen

Das iPhone ist für meine Arbeit vor allem deshalb wertvoll, weil es bereits dabei ist.

Ich nutze es für:

  • Reportage- und Veranstaltungsfotos;
  • schnelle Dokumentation;
  • Video- und O-Ton-Material;
  • Scans;
  • Bildnotizen zu einem Ort;
  • Social-Formate rund um den Hauptinhalt.

Nicht jede Aufnahme ersetzt eine spezialisierte Kamera. Für viele redaktionelle Alltagssituationen ist die Verbindung aus Qualität, Geschwindigkeit und direkter Übertragung aber unschlagbar.

AirDrop oder iCloud bringen das Material ohne Messenger-Komprimierung auf das MacBook. Dort wähle ich aus, bearbeite zurückhaltend, benenne Dateien sauber und schreibe Bildzeilen.

Das Bild soll etwas zeigen, das der Text nicht bereits vollständig erzählt. Sonst ist es Dekoration.

Phase 9: WordPress-Einpflege mit Sicherung

Die Einpflege ist kein lästiger Rest. Sie ist Teil der Veröffentlichung.

Vor Änderungen an bestehenden Beiträgen gelten für mich klare Regeln:

  1. Ausgangszustand sichern.
  2. URL, Canonical und mögliche Weiterleitungen prüfen.
  3. Vorhandene starke Elemente bewahren.
  4. Nur den freigegebenen Umfang verändern.
  5. Vorschau auf Desktop und Mobil kontrollieren.
  6. Links, Formulare und Metadaten testen.
  7. Erst nach ausdrücklicher Freigabe veröffentlichen.

Gerade bei umfangreichen Websites kann eine scheinbar kleine Änderung an Weiterleitungen, Templates oder Seitenelementen mehr Schaden anrichten als eine schwache Formulierung.

Technische Reversibilität ist deshalb Teil redaktioneller Qualität.

Geöffnetes MacBook auf einem Esstisch neben einer Kaffeetasse
Das MacBook ist meine Werkstatt für Recherche, Redaktion und WordPress. Foto: Sascha Tegtmeyer

Phase 10: Aus einem Beitrag weitere Formate ableiten

Nach der Veröffentlichung ist der tragende Inhalt bereits geprüft. Daraus lassen sich weitere Formate erstellen:

  • Newsletter;
  • LinkedIn-Beitrag;
  • Threads-Serie;
  • Kurzvideo-Briefing;
  • FAQ;
  • Präsentationsfolie;
  • interner Leitfaden.

Ich lasse nicht überall denselben Absatz hineinkopieren. Jede Plattform bekommt eine eigene Verpackung, aber keine neue Wahrheit.

Das spart Arbeit, ohne den Hauptinhalt zu kannibalisieren.

Meine Minimalversion für den Einstieg

Niemand braucht sofort drei Geräte, mehrere KI-Abos und ein eigenes Content-Betriebssystem.

Ein einfacher Start besteht aus:

  1. einem Gerät zum Aufnehmen;
  2. einem verlässlichen Transkript;
  3. einem sauberen Projektordner;
  4. einem Briefing;
  5. einer Recherchephase;
  6. einem vollständigen Entwurf;
  7. einer Fakten- und Endprüfung;
  8. einem dokumentierten Veröffentlichungsweg.

Das lässt sich auch mit einem einzigen Notebook umsetzen.

Mehr Technik lohnt sich erst, wenn sie einen konkreten Reibungspunkt entfernt.

Arbeiten mit dem MacBook in einer Lounge
Ab und zu mal die Umgebung wechseln – da kann man sich auch mal in einer schönen Lounge niederlassen.

Datenschutz und sensible Informationen

Bequemlichkeit ist kein Freibrief, vertrauliche Daten in jedes verfügbare System zu kippen.

Ich gebe keine Passwörter, Kundennummern oder unnötigen personenbezogenen Daten in KI-Werkzeuge. Informationen Dritter werden je nach Fall geschwärzt oder gar nicht verarbeitet. Bei sensiblen Projekten müssen eingesetzte Dienste, Verträge, Zugriffsrechte und Speicherorte vorab geklärt werden.

Eine technische Funktion ist nicht automatisch eine datenschutzrechtliche Freigabe.

Mein Fazit: Gute Werkzeuge verschwinden im Ablauf

Mein Apple-Workflow funktioniert nicht, weil jedes Gerät für sich magisch wäre.

Er funktioniert, weil die Übergaben klar sind:

  • Das iPhone fängt Wirklichkeit und spontane Gedanken ein.
  • Das iPad schafft einen leichten Raum für Diktat, Lesen und Vorarbeit.
  • Das MacBook trägt Recherche, Synthese, Redaktion und Veröffentlichung.
  • Cloud- und Continuity-Funktionen halten Material in Bewegung.
  • KI reduziert Reibung bei Transkription, Struktur, Vergleich und Prüfung.
  • Die endgültige Verantwortung bleibt bei mir.

Das Ziel ist nicht, möglichst viele Geräte in einen Workflow einzubauen.

Das Ziel ist, weniger über Werkzeuge nachdenken zu müssen und mehr über die Arbeit, die mit ihnen entsteht.

Dann wird Technik nicht zum Mittelpunkt. Sie macht Platz dafür.


Ideen sammeln mit einem iPad auf einer Bank am See
Ideen sammeln am See – viel besser als im stickigen Büro, oder?

Quellen und weiterführende Dokumentation

Einen eigenen Redaktionsworkflow aufbauen

Geräte lösen keine ungeklärten Prozesse. Wenn Recherche, Briefing, Aktualisierung, Prüfung und Einpflege besser zusammenspielen sollen, findest du auf meiner Leistungsseite die passenden Einstiege. Eine kurze Beschreibung des aktuellen Ablaufs und seiner größten Reibung auf der Kontaktseite reicht für die erste Einordnung.

Sascha Tobias Tegtmeyer

Sascha Tobias Tegtmeyer

Digital-Journalist | Content- und Social-Media-Experte | KI-Augmentation & Workflows

Ich bin Content- und Marketingstratege mit 12+ Jahren Erfahrung in Online-Redaktion, SEO, Social Media, Ads und digitalem Markenaufbau. Ich verbinde journalistische Präzision und klassisches Handwerk mit praxisnaher KI- und Automatisierungskompetenz, um Workflows effizienter, skalierbarer und qualitativ stärker zu machen. Ich bringe fundierte Erfahrung aus Verlag, Agentur und Inhouse-Rollen sowie im Aufbau und Betrieb eigener digitaler Projekte mit internationalen Partnern wie Apple und Accor mit. Autor des Fachbuchs „Die Journalisten-Methode“ (2025).

Kompetenznachweise 

Digitales Marketing

KI-Fluency & Teaching KI-Fluency

Elements of AI